Mich interessiert an KI für verständlichere Inhalte besonders die laufende Pflege: Was passiert mit der vereinfachten Fassung, wenn sich im Original eine Frist oder eine Voraussetzung ändert? Ein einmalig erzeugter Text löst diese Aufgabe nicht. Ich würde die Vorbereitung, Prüfung und erneute Freigabe gemeinsam gestalten. Ob die Ergebnisse Menschen tatsächlich helfen, bleibt der entscheidende Maßstab.
Der SOULSURF-Anwendungsfall beschreibt ein Projekt für die öffentliche Hand mit zwei Konten und einem WordPress-Modul. Im Mittelpunkt stehen verständlichere Sprache, Vorlesefunktionen und weniger doppelte Inhaltspflege. Als Arbeitsumgebung wird der SOULSURF Enterprise AI Workspace genannt.

Weniger doppelte Pflege, nicht weniger Verantwortung
Mein Vorschlag für den Ablauf: Jede zusätzliche Fassung bleibt mit ihrem Ausgangstext verbunden. Wird dieser geändert, erhält die abgeleitete Fassung einen sichtbaren Prüfbedarf. Die Redaktion vergleicht die betroffenen Aussagen, Zahlen und Zusammenhänge und gibt die neue Fassung frei. KI kann den Entwurf vorbereiten; sie ersetzt diese Entscheidung nicht.
Alexander Krapp, KI-Consultant, beschreibt den Nutzen des Ansatzes so:
„Durch den Einsatz von KI im Bereich Barrierefreiheit sparen wir uns die doppelte Pflege der Inhalte sowie Lizenzkosten für externe Anbieter/Systeme“.
Welche Entlastung ein vergleichbarer Ablauf bringt, hängt von den vorhandenen Inhalten, der nötigen Nachbearbeitung und den eingesetzten Systemen ab. Das Zitat ist kein allgemeines Kostenversprechen.
Leichte Sprache braucht mehr als kürzere Sätze
Ein automatisch vereinfachter Text ist nicht allein deshalb geprüfte Leichte Sprache. Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit betont bei KI-Übersetzungen die notwendige Prüfung durch Menschen, die die Regeln der Leichten Sprache kennen. Mehr dazu in ihren Hinweisen zu Leichter Sprache und KI.
Für den Einstieg empfehlen wir einen überschaubaren Ablauf:
- Inhalte auswählen. Beginnen Sie mit Informationen, die häufig gebraucht werden, und legen Sie eine verbindliche Ausgangsfassung fest.
- Entwürfe prüfen. Lassen Sie KI-Vorschläge fachlich und sprachlich bearbeiten. Beziehen Sie Menschen aus der Zielgruppe ein, um die Verständlichkeit zu erproben.
- Änderungen nachhalten. Bestimmen Sie, wer zusätzliche Fassungen nach einer Änderung kontrolliert und erneut freigibt.
Für einen ersten Test würde ich einen kurzen, häufig benötigten Informationstext wählen und anschließend gezielt eine wichtige Angabe ändern. Wird die zusätzliche Fassung als überholt erkannt? Bleibt die Änderung verständlich und fachlich richtig? Erst dann würde ich den Ablauf auf weitere Inhalte ausdehnen.
Die gesamte Website bleibt wichtig
Auch mit verständlicheren Texten sollten Navigation, Formulare und Bedienung geprüft werden. Eine Vorlesefunktion allein ist kein Nachweis, dass das gesamte Angebot barrierefrei ist. Die Web Accessibility Initiative des W3C weist darauf hin, dass Werkzeuge nicht alle Aspekte automatisch prüfen können und menschliche Beurteilung notwendig bleibt. Aus dem Einsatz eines KI-Moduls folgt daher keine pauschale Konformitäts- oder Rechtssicherheitszusage.
Mehr zum redaktionellen Teil lesen Sie in unserem Beitrag Leichte Sprache. Im Gespräch mit SOULSURF klären wir, welche Inhalte, Prüfungen und Zuständigkeiten für Ihren ersten Schritt zusammenkommen sollten.
Einordnung und Empfehlungen: Florian Hofmann, auf Grundlage des dokumentierten SOULSURF-Anwendungsfalls. Zitate sind den jeweiligen Gesprächspartnern zugeordnet.
